„Ein Herz für intersexuelle Pinguine“

 

Der Schwachhauser Journalist Markus Tönnishoff legt seinen zweiten Satireband vor

 

Der Dschihad hat in Deutschland ein eher schlechtes Image. Dabei kann er helfen, dem Klimawandel vorzubeugen – das zeigt der Schwachhauser Journalist Markus Tönnishoff in seinem neuen Satireband. Und warum sollten Schockbilder, die bisher nur den Zigarettenschachteln vorbehalten sind, nicht zusätzlich auf Stimmzetteln eine Heimat finden? Auch dieser Frage lässt Tönnishoff seine vollste Aufmerksamkeit zukommen, ebenso wie der Frage, welche Rolle Hamster bei der Bundeswehr spielen können. Die Handlung einiger Satiren des 51-Jährigen ist zudem in Schwachhausen angesiedelt – genauer gesagt an der Scharnhorststraße.

 

Tönnishoff unternimmt in seinen 25 Satiren einen erfrischenden Spaziergang durch die Politik und das Alltagsleben. So lässt er unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Rede zur Flüchtlingskrise halten, in der die Regierungschefin auch auf die berühmte Silvesternacht in Köln eingeht und eine Erklärung dafür liefert: „Wir dürfen nicht vergessen, dass unter den Flüchtlingen viele Ärzte sind, und die haben eben einfach mal erste gynäkologische Untersuchungen durchgeführt.“ 

Ja, das ist vielleicht mehr als bissig – aber für Tönnishoff eine logische Konsequenz seines Denkens: „Satire muss anecken und Staub aufwirbeln, und sie muss auch mal schmerzhaft sein, sonst wird sie konturenlos und unscheinbar“, sagt der Autor, der seit mehr als 20 Jahren in Schwachhausen lebt, dazu.

 

Was passiert, wenn beim Polizeinotruf gespart wird? Auch mit dieser Frage hat Tönnishoff sich beschäftigt. Dann klingt es so: „Willkommen bei der Polizei. Unser Computer wird Sie durch das Menü führen. Wenn Sie einen Verkehrsunfall melden wollen, drücken Sie die 1, wenn Sie gerade überfallen werden, drücken sie die 2.“ Klar, dass der Autor im weiteren Verlauf die Dinge auf die Spitze treibt: „Will der Täter mehr als 100 Euro von Ihnen erbeuten, drücken Sie die 17, ist der Betrag kleiner, weisen Sie den Täter bitte darauf hin, dass auch kleinere Beträge versteuert werden müssen.“

 

Auch auf Friedensbewegte und ihre manchmal putzigen Ideen hat Tönnishoff seinen Blick gerichtet. In einer mehr als beißenden Satire schildert der Autor, wie Friedensbewegte in einen kritischen Dialog mit der Terrormiliz IS treten und durchaus Verständnis für das Kopfabschneiden zeigen: „Viele Frisuren sind ja auch entsetzlich.“ 

 

Experten gibt es in letzter Zeit immer mehr – für jedes Thema. Deshalb lässt Tönnishoff in einer weiteren Satire jede Menge von ihnen zu Worte kommen: Terrorexperten und Entenexperten sowie Toiletten- und Klobürstenexperten, ohne die eine moderne Gesellschaft einfach nicht mehr klarkommen würde. Überdies macht sich der Autor noch tiefschürfende Gedanken darüber, wie man intersexuellen Pinguinen mehr Rechte zukommen lassen kann.

 

Die Satiren sind oftmals so skurril, dass man kaum glauben mag, dass der Aufhänger der Geschichten stets der Realität entspring. Gleichwohl zielt der Autor nicht nur auf die Lachmuskeln der Leser, die eine oder andere Geschichte ruft oft Nachdenklichkeit hervor. Doch wie kommt Tönnishoff zu seinen Themen? „Zeitung lesen, Radio hören und Augen sowie Lauscher offen halten“, rät der Satiriker, der im „Zivilberuf“ bei einer norddeutschen Tageszeitung tätig ist. Einige Texte hat der Autor sogar in Schachhausen angesiedelt, so spielen zum Beispiel der Kiosk an der Scharnhorststraße/Schwachhauser Heerstraße und sein Betreiber Robert Volk darin eine Rolle. Wie schon in seinem ersten Satireband („Wenn der Affe sich schnäuzt, klingelt die Kasse“) baut der Autor gerne mal Volk als Gesprächspartner in seine Texte ein. 

 

Tönnishoff zieht die politische Korrektheit mühelos durch metertiefen Kakao und freut sich diebisch, wenn Gutmenschen und Tugendwächter nach der Lektüre des Werks auf ihren moralischen Hochsitzen ausharren und übel nehmen. 

 

Der Autor hat in der Vergangenheit zahlreiche Satiren für die Tageszeitung „Die Welt“ (welt.de) geschrieben. Auch in der „Berliner Zeitung“ war er mit humoristischen Ergebnissen seiner Großhirnrinde vertreten. Er hat Politikwissenschaft in Bremen studiert und eine Ausbildung zum Tageszeitungsredakteur und Online-Redakteur absolviert.

 

 

Das Taschenbuch „Ein Herz für intersexuelle Pinguine“ hat die ISBN 978-3-7345-5240-3.  Es kostet 7,90 Euro. Die Hardcover-Ausgabe (ISBN: 978-3-7345-5241-0) schlägt mit 14,90 Euro zu Buche, während das E-Book (ISBN: 978-3-7345-5242-7) für 2,99 Euro zu haben ist.